Wie weit ist es weg?

Ich sitze vor den Schlagzeilen der Freitags. In Hamburg kommt es zu Ausschreitungen und in der Folge zu vielfältigen Zerstörungen. Ich mag die Details nicht lesen. Die Schlagzeilen bringen mich der Sache nicht näher. Obwohl, die Rigaer Straße in meiner Stadt ist viel näher an mir dran. Sie ist gefühlt genauso weit weg, wie das Schanzenviertel.
Das was unsere Medien hierzu und in vergangenen Zeiten schreiben sind die Auswirkungen und Folgen von irgendwelchen Dingen. Jetzt wird gefordert Szene-Lokale zu schließen. Es wird nichts erreicht. Die Menschen, die dorthin gehen werden einfach vor den Kopf verstoßen. Es lässt sich nicht einfach eine Schubfach aufziehen – Schwarzer Block, Linke Szene, Autonome und Weiteres.
Wenn ich das verstehen will, muss ich mich diesen Menschen zuwenden, mit ihnen sprechen. Das übersteigt meine Kräfte. Wer hat diese Kraft? Vielleicht die nähere Gemeinschaft in dem diese Menschen leben? Wieso schaffen und entstehen immer wieder weitere Gruppierungen in Gemeinschaften – die sich gegenüber stehen. Obwohl der gleiche gesunde Menschenverstand diesen Gruppen innewohnt?

Anders –

Veränderungen gehen verschiedene Wege. Nun ja, Veränderungen können keine Wege gehen. Sie vollziehen sich. Ich lerne, wie sich Veränderungen in uns gemächlich vollziehen. Ich kann die Schritte der Veränderungen nicht willentlich wählen. Das hat einen bitteren Beigeschmack. Ich kann nichts erzwingen. Und dennoch bereitet es mir Freude Umstände, zu schaffen, die Veränderungen ermöglichen.

Es gibt etwas in uns, etwas in uns, das uns umgibt. Und je nachdem wie ich mich nähre – mit Bildern, Stimmungen, Natur, Essen, Freunden, Menschen, Leben und auch der Stille, Ruhe, Schlaf – ist dieses Etwas ein ruhiger Begleiter, eine Quasselstrippe, ein Störenfried oder ein sehr nervtötender Begleiter mit kreisenden Gedanken – unser Geist. Das bin aber nicht ICH. Und dieser Geist hat mitunter seine Straßen und Wege, die er unmerklich geht. Wie lange dauert es, bis eine eingefahrene Straße – nehmen wir eine Autobahn – rundum erneuert oder gar zurück gebaut wird? Ich denke, es dauert lange. Es bedarf verschiedener Hilfsmittel, Baustoffe, Zeit und vieler Hände, diese Erneuerung zu vollziehen.

Und so ist es mit den Veränderungen. Ich kann ein Werkzeug wählen und lernen es gut zu gebrauchen. Ich kann viele Werkzeuge verwenden und dennoch bekomme ich den Beton nicht klein. Egal mit welchem Werkzeug wir ausdauernd arbeiten, es werden sich Veränderungen vollziehen. Unmerklich geschieht es, fein und kaum merklich.

Und es kommt ein Tag an dem Du feststellst – so einfach ist das. Es ist nicht mehr da. Es ist ein wenig wie bei Konfuzius. „Lass das was Du liebst, wirklich los. Es wird zu Dir zurückkommen.“ (wieso steht das jetzt hier?) Ich glaube, es entstehen dann die Momente, wo sich Dinge verdichten und diese Begegnungen entstehen, Ereignisse eintreten, die uns umwerfen, los laufen lassen und dann Entschlüsse ermöglichen, die die Vielzahl der kleinen Veränderungen sichtbar werden lassen. Weiterlesen

Der Abspann – Stille (2)

„Ich liebe einen langen Abspann.“ ging es durch meinen Gehirnkasten. Etwas eckig der Gute aber er regte sich, als ein langer Abspann lief.

Er wollte gar nicht enden. Es war zu bemerken wie sich Eindrücke aus dem eben Gesehenen setzten, einzelne Szenen noch einmal aufblitzten. Es wurde ruhiger im Gehirnkasten, das Tempo der flitzenden Geister verlangsamte sich. Ganz langsam schlichen sich die Alltagsgedanken wieder an.

Ich genoss die Stille im Abspann und verweilte im Moment der Stille. Der Abspann als Übergang von einem Geschehen in das Andere – wo finden wir den heute noch und wann?

Stille

„Ich kann sie nicht ertragen. Wenn das Radio, der CD Spieler, der Fernseher, die immerwährende Geräuschkulisse aus ist, wird es unheimlich. Es beschleichen mich unangenehme Gefühle. Ich kann diese nicht beschreiben.“

„Es ist ein Raum der mir nicht vertraut ist.
Da ist ein Raum der mir unbekannt ist. Er ist mir nicht vertraut.“

Er: „Das ist zu absolut. Du hast ihn schon betreten.“

„Vielleicht, ja. Es ist so still. Das ist ungewohnt. Da sind keine Texte, keine Rätsel über Geräusche, keine Töne.“

Er: „Andere Töne.“

„Da bin ich so allein. Da ist ist keiner und doch sind da viele Bewegungen. Es ist nicht still. Und die Bewegungen können laut sein. Die gefallen mir nicht.“

Er: „Ist das Stille?“

„Nein.“

Er: „Was ist es dann?“

Mai 2017

Verschiebungen

Gewohnheiten ändern sich, die Wortwahl verändert sich, Prioritäten werden geschoben. Ich erlebe dies sehr plastisch an diesem Blog. Was war der Antrieb, hier zu schreiben? Was ist es heute. Es geschehen Veränderungen. In der heutigen Zeit, wo der in Vergessenheit gerät, der einmal schweigt, schreibe ich seltener in diesem Blog. Das ist nicht der Ausbildung geschuldet, die ich durchlaufe, die Zeit wäre vorhanden. Es gibt viele Dinge zu tun, die ich nun auch anpacke. Der Antrieb zu schreiben wird geringer. Ich spüre deutlich Veränderungen und es werden Dinge, die mir wichtig waren geschoben, verschoben. Vielleicht muss ich diese Dinge später wieder an eine andere Stelle schieben , denn ich habe diese Dinge VERschoben.

Wie ist Veränderung in uns möglich? Es ist der kleine Alltag, der Veränderungen ermöglicht. Wie in dem Film: „Und täglich grüßt das Murmeltier“ dürfen wir jeden Morgen von vorne anfangen. Ein Beispiel mit einer schönen Aussicht könnte sein: Wie schaffe ich es, am Morgen mit einem Lächeln aufzuwachen? Das ist eine kleine Forschungsarbeit. Das beginne ich mit Beobachtung: Wie wache ich auf? Was ist in mir los? Und alles was ich am Morgen beobachte, darf ich auch wieder loslassen. Am nächsten Morgen kommt ein anderer, ein neuer, ein bekannter Eindruck. Wohin ich nun die Aufmerksamkeit lenke, ist eine persönliche Entscheidung. Es gibt viele Wege. Am nächsten Morgen kann ich schauen, wie ist das körperliche Empfinden am Morgen? So geht das weiter. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht stelle ich fest, das der vorherige Abend dazu beiträgt, wie ich morgens aufwache? Vielleicht beobachte ich, wie meine Schlafkleidung etwas beeinflusst. Ich kann kleine Dinge verändern, sie eine Weile beobachten. Was ändert sich im Laufe der Zeit? Was geschieht mit mir? Es ändert sich etwas im Laufe der Zeit. Der Akteur in diesem, sagen wir, Spiel bin ich. Ich bin der Handelnde und entscheide was ich in diesem Spiel für einen Zug tue. Da gibt es keinen Anderen, eine Andere der mich stören kann. Dies kann ich still tun, probieren und Erfahrungen sammeln.

Ich lernte es in den letzten Jahren kennen, besonders intensiv in den letzten beiden Jahren. Es geschieht in kleinen, fast unscheinbaren Schritten, im Laufe der Zeit. Es klingt in mir wie tipp, tapp, tappel Schritt, tipp, tapp, tapp, tupp, tipp, tapp. Da gibt es auch ein Stolpern, ein Umkehren und es gibt den nächsten Morgen. Was kümmerts mich, was heute morgen war, morgen ist ein neuer Tag.

In diesem Sinne:

„Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stest kannst Du im Heute von Neuem beginnen.“

(zugeschrieben Buddha Shakyamuni)

Denkwürdig

Das dieser Tag mit so vielem verwoben ist, was mir bekannt und doch unbekannt ist, lässt mich innehalten.

Am 09.04.1917 also verließ ein im Exil lebender Mensch Zürich und führ mit „Hilfe des deutschen Kaisers“ durch Deutschland. Dieser Mensch sollte Einfluss haben auf die Geschicke in Osteruopa und später in Mittelerupa – in einem großen Ausmass.
Artikel zu Lenins Reise

Und ich bin mit dieser Geschichte im weiteren verbunden, habe mich mit ihr wissentlich verbunden. Es wird mir klar, das ich schon in meiner Jugend mich einige Male fragte: was ist das? Wieso ist das so? Was passiert hier? Es gab Dinge die waren nicht zu verstehen. Heute sage ich: Die Aussagen, Handlungen und Taten fühlten sich nicht klar an, etwas war verborgen. Es fühlte sich manchmal nicht richtig an.

Diese Geschichte und die der Wende lehren uns – die Fäden werden anders gezogen, als das Gewebe uns später scheint zu zeigen.

Warum ich es hasse – Yoga zu leben.

Wo kommt dieser Spruch jetzt her? Genau das ist es. Der Spruch ist da. Und er meint es genau andersherum. Die Praxis im Yoga ist schonungslos. Ich beobachte was ich bin und nicht bin. Und jeden Tag wieder. Solange ich daran klammere, kehrt es immer wieder. Solange sich in diesen Augenblicken meine Augen anfeuchten bin ich immer noch an der Sache dran. Ich weiß es, ich spüre es. Ich kann an anderer Stelle diese Haltung nicht einnehmen, wie ICH es möchte. Und doch empfinde ich diese Momente als wertvoll. Ich bin dankbar es zu sehen. Und so tun mir diese Momente gut. Diese Momente sind vielfältig, fein und verschieden. Es ist eine Kraft da drin, die mich anzieht. Das macht süchtig. Der eigentliche Moment ist nicht schön – immer beobachte ich wo die Sehnsucht, der Ärger hängt. Momente, Stunden, Tage, Wochen, Monate später wird es langsam, spärlich, fast sanft, ruhiger in mir. Die Welt bewegt sich weiter – ich beginne zu verweilen. Dieses kleine, feine Anwachsen der Ruhe liebe ich.