Wie weit ist es weg?

Ich sitze vor den Schlagzeilen der Freitags. In Hamburg kommt es zu Ausschreitungen und in der Folge zu vielfältigen Zerstörungen. Ich mag die Details nicht lesen. Die Schlagzeilen bringen mich der Sache nicht näher. Obwohl, die Rigaer Straße in meiner Stadt ist viel näher an mir dran. Sie ist gefühlt genauso weit weg, wie das Schanzenviertel.
Das was unsere Medien hierzu und in vergangenen Zeiten schreiben sind die Auswirkungen und Folgen von irgendwelchen Dingen. Jetzt wird gefordert Szene-Lokale zu schließen. Es wird nichts erreicht. Die Menschen, die dorthin gehen werden einfach vor den Kopf verstoßen. Es lässt sich nicht einfach eine Schubfach aufziehen – Schwarzer Block, Linke Szene, Autonome und Weiteres.
Wenn ich das verstehen will, muss ich mich diesen Menschen zuwenden, mit ihnen sprechen. Das übersteigt meine Kräfte. Wer hat diese Kraft? Vielleicht die nähere Gemeinschaft in dem diese Menschen leben? Wieso schaffen und entstehen immer wieder weitere Gruppierungen in Gemeinschaften – die sich gegenüber stehen. Obwohl der gleiche gesunde Menschenverstand diesen Gruppen innewohnt?

Entscheidungs-Fließband (2)


Artikel 1 dazu – klick hier
Der Austausch mit anderen zu einem Thema bringt andere Sichtweisen, andere Nuancen. Mir öffnete sich die Möglichkeit, das Gelesene miteinander zu verbinden.

Im vorhergehenden Artikel stellte ich fest, das ich im Auto eine Bewertungsmaschine anwerfe. Und oft nehmen wir eine Form von Bewertungsmaschine in unser alltägliches Leben mit.

Eine anderer Blickwinkel auf die Bewertungsmaschine im Auto ist möglich. Diese Bewertungen der jeweiligen Situationen sind nützlich und notwendig. Einmal dafür, damit ich als Fahrer und meine Mitfahrer zum ziel kommen. Zum anderen möchte ich meine Mitfahrer sicher am Ziel absetzen. Und wieder anders, möchte ich mit meiner Tonne Blech und Stahl keine anderen gefährden. Das kannst du gerne fortführen. Es gibt Situationen, Begegnungen da springt diese Maschine an, merken wir das. Ein Mensch kommt auf uns zu. Was ist hier zu tun? Eintüten, Schubfächer aufmachen. Ist das in diesem Moment wichtig, nützlich für die Begegnung?

Eine Wertung ist letztendlich ein Gedanke, eine Abwägung. Wie nah sind wir mit unseren Gedanken an dem was wirklich ist? Jede Wertung, auch wenn es nur ein Hauch von einem Gedanken hat eine subjektive Färbung. Die Wertung, der Gedanke – sie sind geschmückt mit Bildern, Erinnerungen, Wahrnehmungen, Erfahrungen, Wissen, vermeintlichem Wissen, der Wahrheit des Einzelnen. Ist es möglich diese Schatten von der Wirklichkeit wegzuwischen? Was bleibt dann noch übrig? Ist die Wertung dann ganz verschwunden?

Dieses Fließband anzustoßen, in eine andere Schwingung zu versetzen, wo die eine oder andere Wertung durchaus ins Stolpern gerät oder gar herunterpurzelt, diese Kraft ist in uns. Es gelingt mir durch Beobachtung, ohne Wertung diese Anstöße zu erzeugen. Ich schaffe mir dadurch die Möglichkeit, eine Sache wahrzunehmen, zu schauen was da ist. Diese Beobachtung öffnet meine Sinne.

Praktisch kann das so aussehen: Ich fahre Auto und sage: „Der fährt aber blöd.“ Beobachtung – mich stört etwas, ich bin ärgerlich. Und tief im Innern kann ein kleiner Glaubensgrundsatz schlummern. Kann ich den wahrnehmen?

Entscheidungs-Fließband


Ich bin Autofahrer. Nicht jeden Tag steige ich in ein Auto. Wenn ich es tue, beobachte ich folgendes.

Es wird neben dem Motor eine weitere Maschine angeworfen. Dieser kann ich mich nach dem Drehen des Zündschlüssels nicht mehr entziehen. Sie verlangt die geistige Tätigkeit und läßt keine Ruhe. Es ist die Maschine der Entscheidungen. Manche Entscheidungen erfolgen mechanisch unter Nutzung der gesammelten Erfahrungen. Andere Entscheidungen im Verkehr erwachsen allmählich aus dem Verkehr, aus dem was ich vom Verkehr wahrnehme. Dann gibt es die Überraschungsmomente, wenn der Geist abschweift. In dem Moment ist es überraschend zu sehen, was Autofahrer alles Unerwartetes Tun. In einem Zeitraum von 5 Minuten im Straßenverkehr – einer Stadt – kann ich die Entscheidungen nicht zählen.

Um im Straßenverkehr Entscheidungen zu treffen, muß ich neben der Entscheidungsmaschine noch eine Maschine anwerfen. die der Wertungen. Beide laufen auf Hochtouren. Die Maschine der Entscheidungen aus einer inneren Ruhe wird überdeckt.

Wie schwer ist nach dem Umdrehen des Zündschlüssels, Motor aus, beide Maschinen abzustellen? Gelingt es im dann im wieder offenen Leben eine offene, respektvolle Atmosphäre zu schaffen, dort einzutauchen und offen für alles zu sein? Ertappe ich mich wieder dabei in eine Atmosphäre der Wertung, Bewertung, Schubladen einzutauchen?

Das Auto fahren ist nur ein Beispiel. Wann drehen wir den Zündschlüssel von unseren Wertungsmaschinen an? Was passiert dann?

Unsicher

Das was hier und jetzt in dieser sichtbaren Welt, sollte ich sagen Spaß- und Erlebniswelt geschieht ist mir unheimlich. Es wird enger, jeder geht seinen Weg und alles wird schärfer. Die Worte, die Kontrollen – es mehrt sich so vieles. Es wird härter, mit mehr Entschiedenheit wird vorgegangen, es wird reagiert. Wo lange nicht agiert wurde, wird nun zwangsweise nachreagiert – nachregiert. Weiterlesen „Unsicher“

Sehenswert


Ich komme aus dem Kino. Bewegt bin ich. Selten kommt es mir über die Lippen. Es ist sein bisher bester Film: Honig im Kopf – Til Schweiger. Es sind Bilder enthalten, stille Bilder. Er wagt es Themen anzugehen.

Ich schaue ihn noch einmal, im neuen Jahr.

Wahrheit


In einem Interview mit der Zeit sagt Peter Konwitschny:

Die Welt hat noch weiter eingeholt, was wir damals auf die Bühne gebracht haben. Die Nornen, die Schicksalsfrauen, sind bei uns unter den Brücken zu Hause. Die Leute, die die Wahrheit sagen, werden immer mehr abgedrängt. Wie das heute mit Europa ist, welches Ausmaß die Finanzkrise hat, darüber wird nicht wirklich gesprochen. Gesprochen wird über kurzfristige Hilfen, nicht über die Axiome, die Grundannahmen.

Was bleibt – reden, tun, schreiben. Lassen wir uns nicht abdrängen. Die Energie für die Wahrheit ist keine verlorene Energie. Nur werde ich den Ärger nicht mit der Energie für Wahrheit verbinden. Das wird mir zu ideologisch.
Das Interview in der Zeit Ein Revolutionär für alle (Über R. Wagner)