Worthüllen (2)

Wieder jagte ein Blitz durch den Geist. Dem folgte der Donner. Ich lese Worte – wir lesen viele Worte. Die vielen geschriebenen Worte sind auch eine Entfremdung vom Leben. Vor einigen Monaten schrieb ich auf einen kleinen gelben Zettel: Lesen ist auch eine Art von Konsum. Blitzartig stellte ich die Verbindung zum heutigen Blitz ein: Ist das geschriebene Wort auch eine Entfremdung vom Leben? War es nicht der erste Schritt sich davon zu entfernen? Mein Bauch antwortet mit erstaunlicher Ruhe und gleichzeitig überkommt mich eine Unruhe. Ich versuche nun eine Erklärung.

Wir nutzen die Worte zur Verständigung. Das hat sich so entwickelt. Das ist unsere Sprache. Wir haben gelernt Worte in Symbolen auf das Papier zu bringen. Es wurden die Buchstaben daraus. Jede größere Kultur hat Ihre eigene Schriftsprache entwickelt. Auf der einen Seite wurden Geschichten festgehalten. Auf der nächsten Seite wurde Erkenntnisse festgehalten. Auf der nächsten Seite wurden Ereignisse festgehalten und weitergegeben. Und auf noch einer Seite wurden Regeln aufgestellt. Darunter fallen Gesetze, Vorgaben, zu liebende und zu hassende Verhaltensweisen. Ja, ganze Ideologien wurden aufgeschrieben. Auf der nächsten Seite werden Geschichten geschrieben, die ihren Ursprung in unseren Phantasien und Wünschen haben – die Romane, die Lyrik, das Theater. Nicht alles spricht hier für das geschriebene Wort.

Wie viele Seiten werden verwendet für das Aufschreiben einer Ideologie Weiterlesen „Worthüllen (2)“