Wie weit ist es weg?

Ich sitze vor den Schlagzeilen der Freitags. In Hamburg kommt es zu Ausschreitungen und in der Folge zu vielfältigen Zerstörungen. Ich mag die Details nicht lesen. Die Schlagzeilen bringen mich der Sache nicht näher. Obwohl, die Rigaer Straße in meiner Stadt ist viel näher an mir dran. Sie ist gefühlt genauso weit weg, wie das Schanzenviertel.
Das was unsere Medien hierzu und in vergangenen Zeiten schreiben sind die Auswirkungen und Folgen von irgendwelchen Dingen. Jetzt wird gefordert Szene-Lokale zu schließen. Es wird nichts erreicht. Die Menschen, die dorthin gehen werden einfach vor den Kopf verstoßen. Es lässt sich nicht einfach eine Schubfach aufziehen – Schwarzer Block, Linke Szene, Autonome und Weiteres.
Wenn ich das verstehen will, muss ich mich diesen Menschen zuwenden, mit ihnen sprechen. Das übersteigt meine Kräfte. Wer hat diese Kraft? Vielleicht die nähere Gemeinschaft in dem diese Menschen leben? Wieso schaffen und entstehen immer wieder weitere Gruppierungen in Gemeinschaften – die sich gegenüber stehen. Obwohl der gleiche gesunde Menschenverstand diesen Gruppen innewohnt?

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Soziale Sprache

Es geht nicht darum um einen möglichst wohl gesetzte Rede, sondern darum, sich persönlich auszudrücken. Wir müssen uns höflich und ausgewogen artikulieren, wenn wir uns unter Menschen befinden, die nicht unserem vertrauten persönlichen Umfeld angehören, zum Beispiel bei der Arbeit. Dann benutzen wir einen „soziale Sprache“, die gut dazu geeignet ist, eine gewisse Distanz zu wahren und den Gesprächspartner nicht zu beeinflussen. Sie ist jedoch überhaupt nicht dazu geeignet, einen intensiven persönlichen Kontakt zwischen Menschen herzustellen.

Jesper Juul Nein aus Liebe

Begegnungen (1)


Achtsamer werden, Ruhig bleiben, Stille und Ruhe in sich tragen. So werden wir durch Berlin gehen dürfen. Dabei betrachtend, unsere Ängste, Meinungen, die Meinungen die uns suggeriert werden, unsere Muster die anspringen – wenn wir Menschen begegnen.

Ich laufe auf einem Gehweg. Rechts von mir spüre ich die kalte Marmorfassade des Hauses. Ein Mensch kommt mir entgegen. Als Autofahrer in einem Land, wo das Rechtsfahrgebot gilt, bleibe ich rechts. Der Mensch geht schnurgerade auf mich zu. Er bleibt vor mir stehen, ich auch. Ich schaue ihn flüchtig an, möchte weitergehen, zur S-Bahn. Er steht und die kleine Körperbewegung lässt ein mögliches Rempeln vermuten. Ich sage so etwas wie: „Das ist doch nicht wahr.“ und mach einen Schritt nach links und gehe vorbei. An meine Ohren dringen noch die Worte: „Beim nächsten mal hau ich Dir so eins von in die Fresse.“

Ich stehe in einer wenig gefüllten Berliner S-Bahn, ein Brötchen zu mir nehmend. Ich stehe an der Seite der Tür. In der Mitte ist Platz ist zum Ein- und Aussteigen. Rechts stehen 2 Männer. So richtig Platz bleibt da für eine Person zum ein- und aussteigen schon. Dann werde ich mich zur Seite drehen, damit ausreichend Platz ist. Ich wählte eine Stehplatz, wo ich beim Essen möglichst keinen belästige. Was passiert nun? Eine adrett, in einen hellen Wintermantel gekleidete Dame kommt herein, geht genau auf die Lücke zu. Sie steht mir so nahe, wie ich mit meinem Partner oder einer guten Freundin dort stehen würde. Mein Brötchen ist in Höhe ihres Halses. Es scheint sie nicht zu stören. Mich stört es schon. Mir fehlen die Worte und so kann ich nur fragen: „Ist das normal?“. Später fällt mir eine andere Art der Erwiderung ein: „Willst Du mit mir kuscheln?“.

Ich sitze in der Straßenbahn der Tag neigt sich buchstäblich dem Ende zu. Im Wagen sitzt eine Gruppe von jungen Menschen. Ich denke es sind Studenten. Sie sind laut und lustig. Es wird über eine Kiste Bier gesprochen. Plötzlich klingen Flaschen aneinander, es klirrt und der Fußboden ist voller Bier. Ich steige aus und schrecke zusammen, als eine Falsche hinter mir eine Flasche an den Straßenrand klirrt. Ich laufe zum Park. Die Meute bewegt sich hinter mir her. Als Studenten müssten sie nun nach rechts zu den Wohnheimen abbiegen. Tun sie nicht. Sie sind laut und laufen weiter, vorbei an den Wohnheimen. Ich ahne, sie gehen in den Landschaftspark – doch keine Studenten.

Sind wir in unserem Innern wirklich gewaltfrei?

Die Kutte


Kutten, Kutten mit Kapuzen, Mönchskutten, Talare, Habits – sie begegnen mir. Da erzählt mir ein Mensch er hat im Traum einen Mönch gesehen. Im Fernsehen gibt es eine Serie „Um Himmels Willen“. Und da liegt seit geraumer Zeit ein Bild. Ein Mensch in eine Kutte gehüllt. Um die Taille ist sie mit einer Schnur gebunden. Auf dem Bild steht: So bin ich in der Stadt geschützt.

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Unsicher

Das was hier und jetzt in dieser sichtbaren Welt, sollte ich sagen Spaß- und Erlebniswelt geschieht ist mir unheimlich. Es wird enger, jeder geht seinen Weg und alles wird schärfer. Die Worte, die Kontrollen – es mehrt sich so vieles. Es wird härter, mit mehr Entschiedenheit wird vorgegangen, es wird reagiert. Wo lange nicht agiert wurde, wird nun zwangsweise nachreagiert – nachregiert. Weiterlesen „Unsicher“

Wahrheit


In einem Interview mit der Zeit sagt Peter Konwitschny:

Die Welt hat noch weiter eingeholt, was wir damals auf die Bühne gebracht haben. Die Nornen, die Schicksalsfrauen, sind bei uns unter den Brücken zu Hause. Die Leute, die die Wahrheit sagen, werden immer mehr abgedrängt. Wie das heute mit Europa ist, welches Ausmaß die Finanzkrise hat, darüber wird nicht wirklich gesprochen. Gesprochen wird über kurzfristige Hilfen, nicht über die Axiome, die Grundannahmen.

Was bleibt – reden, tun, schreiben. Lassen wir uns nicht abdrängen. Die Energie für die Wahrheit ist keine verlorene Energie. Nur werde ich den Ärger nicht mit der Energie für Wahrheit verbinden. Das wird mir zu ideologisch.
Das Interview in der Zeit Ein Revolutionär für alle (Über R. Wagner)